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Die Technische Spezifikation ISO TS 16949 vereint existierende allgemeine Forderungen an Qualitätsmanagementsysteme der (hauptsächlich nordamerikanischen und europäischen) Autoindustrie und ist der erste weltweit gültige Zertifizierungsstandard für Qualitätsmanagement-Systeme speziell von Automobilzulieferern und deren Unterlieferanten. Eine wesentliche Forderung der ISO/TS 16949:2009 ist die Erfüllung von kundenspezifischen Forderungen (Customer Specific Requirements), die die Automobilhersteller zusätzlich an das Qualitätsmanagementsystem ihres Lieferanten stellen. Zertifikate nach ISO TS 16949 dienen der Automobilindustrie und deren Direktzulieferern weltweit als Nachweis dafür, dass das QM-System eines potenziellen Lieferanten ihren Forderungen entspricht. Die ISO/TS 16949:2009 kann in der gesamten Lieferkette der Automobilindustrie angewendet werden. Eine Zertifizierung erfolgt auf der Grundlage der von der IATF (International Automotive Task Force) herausgegebenen Zertifizierungsvorgaben (Rules). Das Zertifikat ist drei Jahre gültig und muss jährlich von IATF-zertifizierten Auditoren (3rd Party Auditors) akkreditierter Zertifizierungsgesellschaften wie Bureau Veritas, TÜV oder DEKRA bestätigt werden. Danach erfolgt die Re-Zertifizierung für weitere drei Jahre mit erneuter jährlicher Bestätigung.

Ein Zertifikat nach ISO/TS 16949 soll das Vertrauen des (potenziellen) Kunden in die System- und Prozessqualität eines (möglichen) Lieferanten begründen. Heute hat ein Lieferant ohne gültiges Zertifikat kaum eine Chance, einen Automobilzulieferer der 1. Reihe (Tier 1 Supplier) und schon gar keinen Automobilhersteller (OEM) mit Serienteilen zu beliefern.



 
 

ISO TS 16949:2009 greift Änderungen der ISO 9001:2008 auf

Die Norm ISO TS 16949:2009 gilt seit dem 15. Juni 2009. Der Wortlaut der aktuellen prozessorientierten Fassung wurde an die ISO 9001:2008 angepasst und enthält weitergehende automobilspezifische Anforderungen. Die neue Norm beinhaltet keine geänderten oder neuen Anforderungen gegenüber der Version 16949:2009. Automobilzulieferer müssen eine Anpassung der QM-Zertifizierung auf Basis der DIN EN ISO 9001:2008 vornehmen. Zertifizierungen auf Basis der alten ISO TS 16949:2002 behalten ihre Gültigkeit, bis auf Basis der neuen Norm eine Re-Zertifizierung vorgenommen wird.

 

Rahmenbedingungen der ISO/TS 16949:2009

Die Rahmenbedingungen zur neuen ISO/TS 16949:2009 setzen sich zusammen aus den Zertifizierungsvorgaben und dem Leitfaden zur ISO/TS 16949:2009. Die Zertifizierungsvorgaben bestehen aus dem Anforderungskatalog, dem Auditfragenkatalog und den Zertifizierungsregeln zur ISO/TS 16949:2009. Der Leitfaden zur ISO/TS 16949:2009 enthält empfohlene Praktiken, Beispiele, Veranschaulichungen und Erläuterungen der Automobilindustrie und gibt Hilfestellung bei der Anwendung, um die Anforderungen der Spezifikation besser zu erfüllen. Er dient jedoch nicht der Zertifizierung oder vertraglichen Zwecken.

Der Aufbau der ISO/TS 16949:2009 orientiert sich an der prozessorientierten Struktur der Norm ISO 9001:2008.
Die Anforderungen, basierend auf der Norm ISO 9001:2008, werden nicht näher erläutert.

 

 

Fragen und Antworten zur ISO/TS 16949:2009

 

Wie lange ist das alte Zertifikat gültig?

  • Zertifizierungen auf Basis der alten ISO TS 16949:2002 behalten ihre Gültigkeit, bis auf Basis der neuen Norm eine Re-Zertifizierung vorgenommen wird.

Welche Voraussetzungen müssen für die Zertifizierung nach ISO/TS 16949:2009 erfüllt werden?

  • Der Nachweis der effektiven Einführung eines QM- Systems nach der ISO/TS 16949 über einen Zyklus von 12 Monaten muss erbracht werden: Vor der Zertifizierung muss ein vollständiger interner QM-Audit- und Bewertungszyklus abgeschlossen sein.

Welche Dokumente müssen vor der Zertifizierung bei der Zertifizierungsstelle eingereicht werden?

Für jeden zu auditierenden Standort:
  • QM-Handbuch
  • Plan der internen Audits, deren Ergebnisse und QM- Bewertung mit den Ergebnissen der letzten 12 Monate
  • Liste qualifizierter interner ISO/TS 16949-Auditoren
  • Liste der kundenspezifischen Anforderungen
  • Status der Kundenbeschwerden
  • Betriebliche Leistungstrends mindestens der letzten 12 Monate

Welche Möglichkeit gibt es bei der Höherqualifizierung im Rahmen eines Überwachungs- bzw. Wiederholungsaudits für Unternehmen, die bereits nach einem ISO 9001:2008- bzw. einem automobilspezifischen Standard zertifiziert sind?

  • Auditierung aller bisher nicht qualifizierten/zusätzlichen Anforderungen beim anstehenden Überwachungs- bzw. Wiederholungsaudit.
  • Nachdem alle Anforderungen des neuen Standards dabei berücksichtigt wurden, kann ein Zertifikat mit 3- jähriger Gültigkeit ausgestellt werden.

Wie sind die Aufwendungen für die Höherqualifizierung eines Unternehmens?

  • Es müssen grundsätzlich die Manntage für ein Erstaudit eingeplant werden.
  • Reduzierungen bis 50 % sind in Abhängigkeit von der bereits erreichten Qualifikation/vorhandenen Zertifikaten möglich. Beispiel: Ein 50%-Upgrade (50 % der Auditfragen für Erstaudit) ist auf der Basis einer bereits vorhandenen Qualifikation nach ISO 9001:2008 und eines Automobilstandards möglich.

Muss die Dokumentation nach dem neuen Standard gegliedert werden?

  • Nein! Es müssen nur die neuen/geänderten Anforderungen und Prozesse beschrieben und umgesetzt werden.
  • Das Unternehmen soll nicht an den Standard angepasst werden
  • Bei Neuaufbau der Dokumentation kann die ISO/TS 16949:2009 als Orientierung herangezogen werden.
  • Sinnvollerweise sollte die Dokumentation nach den eigenen Prozessen strukturiert werden.

Sind weniger Verfahrensanweisungen nötig?

  • Die Dokumentation muss wie bisher - an das Unternehmen angepasst - zertifizierungsfähig vorliegen.
  • Ein QM-Handbuch muss nach wie vor vorliegen
  • Eine prozessorientierte Darstellung des Systems kann zu einer wesentlich schlankeren und effektiveren Dokumentation führen.

Welche Prozesse dürfen ausgeschlossen werden? Was ist dabei zu beachten?

  • Nur Anforderungen aus Abschnitt 7.3 (Produktentwicklung), wenn das Unternehmen nicht für Produktentwicklung verantwortlich ist.
  • Dieser Ausschluss gilt nicht für die Entwicklung der Produktionsprozesse (auch in Abschnitt 7.3 enthalten)

Was ist bei ausgegliederten Prozessen zu beachten?

  • Ausgegliederte Prozesse umfassen zum Beispiel Produkte und Dienstleistungen, wie Teile der Entwicklung, Vormontage, Nacharbeit, Prüfungen und Kalibrierdienste, die Einfluss auf die Erfüllung der Kundenanforderungen haben.
  • Das Unternehmen trägt hierbei die volle Verantwortung für die Erfüllung der Kundenforderungen.

Wie sind entfernte Standorte in den Auditprozess einzubeziehen?

  • Es müssen alle einen Produktionsstandort unterstützenden Funktionen an anderen Standorten, wie Entwicklungs- oder Logistikbereiche, Einkauf oder Vertrieb, in der Planung und Durchführung der Audits einbezogen werden. Hinweis: Alle zugehörigen Entwicklungsbereiche müssen innerhalb von 12 Monaten mindestens einmal auditiert werden.

Ist eine Zertifizierung von Unternehmen mit mehreren Standorten durch mehrere Zertifizierungsstellen möglich? Was ist dabei zu beachten?

  • Ja, wenn die andere Zertifizierungsstelle durch die IATF anerkannt ist und die vollständigen Auditergebnisse/ggf. Zertifikate für Standorte, die durch die andere Zertifizierungsstelle bewertet wurden, vorliegen, überprüft und bestätigt wurden.

Was ist unter kundenspezifischen Anforderungen der Automobilkunden zu verstehen? Welchen Einfluss haben sie auf das Zertifizierungsverfahren?

Zusätzliche Anforderungen der Kunden an das QM- System des Lieferanten, die in den Kundenverträgen enthalten sind. Dazu gehören z. B. folgende Forderungen der Automobilhersteller:

  • Ford - customer specific requirements of the QS-9000, Sec. II, QOS (Quality Operating System), Q1 2002
  • DaimlerChrysler - customer specific requirements ISO/TS 16949
  • GM/Opel - customer specific requirements ISO/TS 16949
  • GM/Fiat - Global Statement of requirements, SQAM (Supplier Quality Assurance Manual), Engineering Standard Europe
  • DC-Mercedes Benz - Special Terms 2002-08-09
  • BMW - SPQM (Supplied Parts Quality Management)
  • VW/Audit/Skoda/Seat - Formel Q-Konkret QPN (Qualifizierungsprogramm Neuteile), Formel Q-Fähigkeit, Formel Q-Serienreife (2-Tages-Produktion)
  • Renault/Nissan - ANPQP (Alliance new Product Quality Procedure)
  • Land Rover - FGTC (Ford Global Terms and Conditions)
  • Porsche - Quality Guideline for Suppliers

Die für den auditierten Standort zutreffenden Anforderungen müssen bei der Auditplanung und -durchführung berücksichtigt werden. Hinweis: Es ist zu beachten, dass auch für die Lieferanten der zweiten oder dritten Reihe zusätzliche Anforderungen an das QM-System seitens ihrer Kunden bestehen können.

 

Welche Fristen sind im Auditierungsprozess zu beachten?

  • Upgrade - Audits können nur auf Basis gültiger und nicht ausgesetzter Zertifikate durchgeführt werden.
  • Das Zertifizierungsaudit muss innerhalb von 3 Monaten ab Dokumentenbewertung durchgeführt werden.
  • Korrekturmaßnahmen zu Abweichungen müssen 90 Tage nach dem Audit wirksam implementiert sein.
  • Folgeaudits müssen innerhalb von 12 Monaten nach der Zertifikatsfreigabe (Datum auf dem Zertifikat) durchgeführt werden.

Welche Prozesselemente müssen immer bei jedem Überwachungsaudit auditiert werden?

  • Abschnitt 4 Qualitätsmanagement-System
  • Abschnitt 5 Verantwortung der Leitung
  • Abschnitt 7.1 - 7.3 Planung der Produktrealisierung, Entwicklung, kundenbezogene Prozesse
  • Messung, Analyse und Verbesserung
  • Kundenzufriedenheit
  • Internes Audit
  • Verbesserung
  • Korrekturmaßnahmen aus letztem Audit
  • Neukunden seit dem letzten Audit

In den zwei aufeinander folgenden Überwachungsaudits müssen zusätzlich alle Prozesselemente des Standards auditiert werden.

Welche Erwartungen haben die Automobilhersteller zur ISO/TS 16949?

In einem Committment der IATF vom 22.01.2002 wurde durch die Automobilhersteller erklärt:
  • Fiat - Lieferanten müssen nach ISO/TS 16949 zertifiziert sein.
  • Renault - Lieferanten müssen nach ISO/TS 16949 oder EAQF zertifiziert sein.
  • PSA - Lieferanten müssen nach ISO/TS 16949 oder EAQF zertifiziert sein, ab 2004 wird nur noch ISO/TS 16949:2002 anerkannt.
  • Opel AG/GM - Lieferanten müssen weltweit nach QS- 9000 zertifiziert sein, ISO/TS 16949-Zertifikat wird anerkannt.
  • BMW AG - Lieferanten müssen nach ISO/TS 16949 zertifiziert sein.
  • DaimlerChrysler AG - Lieferanten müssen QM-Systeme nach QS-9000, VDA 6.1 bzw. ISO/TS 16949 nachweisen, ab 15.12.2003 wird nur noch ISO/TS 16949:2002 anerkannt.
  • Volkswagen AG - Lieferanten müssen weltweit nach VDA 6.1 zertifiziert sein, ISO/TS-16949-Zertifikat wird anerkannt.
  • Ford AG - Lieferanten müssen nach QS-9000 oder ISO/TS 16949 zertifiziert sein.
  • Nissan - Lieferanten von Renault/Nissan müssen QM- Systeme nach ISO/TS 16949 nachweisen, AVSQ, EAQF, QS-9000 oder VDA 6.1 können akzeptiert werden.

Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es bei der Ausstellung eines Zertifikates für Unternehmen mit einem bzw. mehreren Standorten?

  • Unternehmen mit einem Produktionsstandort erhalten ein Zertifikat, auf dem die Übereinstimmung mit der ISO/TS 16949 bestätigt wird.
  • Unternehmen mit mehreren Produktionsstandorten erhalten ein "Konzern"-Zertifikat (Gesamt-Zertifikat), bei dem auf einem separaten Anhang jeder zertifizierte Produktionsstandort aufgeführt wird. Voraussetzung hierfür ist die Anwendung des "Konzern"-Auditschemas oder
  • jeder Produktionsstandort kann auf Wunsch ein Einzel- Zertifikat erhalten.
  • Alle entfernten Standorte, z. B. Entwicklung, Vertrieb, Lager, die zum Geltungsbereich des QM-Systems des zertifizierten Unternehmens gehören, werden im Geltungsbereich auf dem Einzel- bzw. Gesamt-Zertifikat mit aufgeführt.
  • Alle auditierten kundenspezifischen Anforderungen werden ebenfalls als Anlage zum Einzel- bzw. Gesamt- Zertifikat mit aufgeführt.

erstellt von ing.büro schardt am 18.03.03


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